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Blick in die Vereinschronik


Gründung - Aufbau - Unterdrückung

Die Herxheimer Schützengemeinschaft wurde 1924 unter dem Vereinsnamen "Schützengesellschaft 1924 in Herxheim bei Landau (Pf.)" gegründet. Initiator war der Zollbeamte Adrian Rieder, der damals seinen Urlaub in seinem Heimatort verbracht hat. Mit ihm waren Georg Seither, Jakob Strauß, Hans Weber, Josef Daum, August Detzel und Michael Kühn Gründungsmitglieder. Geburts- und erste Schießstätte des Vereins war das damalige Gasthaus >>Zum Pfälzer Hof<< von Schützenbruder Georg Seither in der Oberen Hauptstraße 19, heute Modehaus Daum.

In der Gründerzeit konnte sich der Schießsport in der Pfalz nicht frei entfalten. Die französische Besatzungsmacht legte ihn in Feßeln. Doch ganz unbemerkt wurde im >>Pfälzer Hof<< ein Schießstand errichtet, in dem mit Luftgewehren auf eine Distanz von 6 m geschoßen werden konnte. überraschenderweise haben die Franzosen das Schießen stillschweigend geduldet. Allerdings haben sie mit Argwohn insgeheim die Aktivitäten der jungen Schützengemeinschaft beobachtet. Das konnte den Gastwirt Georg Seither und seine Schützenbruder der ersten Stunde nicht davon abhalten, den Schießstand im Nebenzimmer des Gasthauses auf 18 m Schießlänge auszubauen. Da diese Entfernung aber für Luftdruckgewehre zu groß war, hat der Verein kurz entschloßen einige Zimmerstutzen zum Schießen angeschafft. Zunächst ließen die Besatzer gewähren, doch nach kurzer Zeit haben sie das Schießen eingeschränkt. Eine Ordonanz überbrachte die Anordnung der >>H. I. Rhl. K.<<, daß das Schießen nur für ausgebildete Soldaten erlaubt, das Neuausbilden von Ungedienten und Jugendlichen dagegen verboten sei. Der Druck der Besatzer wurde immer größer und artete letztlich in Schikanen aus. Zwei Jahre nach ihrer Gründung wurde der Schützengesellschaft das Schießen total verboten, auch das Schießen mit Luftdruckgewehren. Doch die Herxheimer Schützenbrüder ließen sich von der fremden Macht weder einschüchtern noch unterdrücken. Sie haben ihre Zimmerstutzen auseinander genommen, verpackt und ins Rechtsrheinische, in das badische Dorf Rheinsheim, gebracht. über drei Jahre lang sind sie aus Liebe zum Schießsport über den Rhein, wo keine Franzosen waren, zum Schießen gepilgert.

Das frühere Gasthaus "Zum Pfälzer Hof" in Herxheim war 1924 die Geburtsstätte der Herxheimer Schützengesellschaft.
Die Aufnahme wurde am 15. Mai 1939 gemacht. Unser Gründungsmitglied, Gastwirt Georg Seither, befindet sich unter den abgelichteten Personen (3.v.r.)


Die Verdächtigungen und überwachungen der Besatzer gingen weiter. Vorladungen, Vernehmungen und Hausdurchsuchungen bei Schützenbrüdern waren an der Tagesordnung. Bei einer Hausdurchsuchung im >>Pfälzer Hof<< wurden zwei Zimmerstutzen gefunden. Die Gewehre wurden beschlagnahmt, der Wirt, Schützenbruder Georg Seither, wurde von zwei französischen Gendarmen festgenommen und ins Gefängnis nach Landau gebracht. Schützenbrüder August Detzel entging nur knapp diesem Schicksal; er befand sich in ärztlicher Behandlung und war nicht greifbar.
Allen Schwierigkeiten zum Trotz feierte die junge Schützengilde 1929 in Herxheim ihr fünfjähriges Stiftungsfest, das eine ganz besondere, für eine Schützengemeinschaft recht eigenartige Prägung hatte: Es war ein Schützenfest ohne Gewehre. Dem Verein war die Erlaubnis zum Schießen verweigert worden. In schmucker Schützenuniform, so wie es einst üblich war, zogen die Herxheimer Schützen in den Wald. Glücklicherweise hatte der Schießbudenbetreiber Ruppert aus Speyer die Erlaubnis zum Aufstellen einer Schießbude erhalten, so daß der Verein mit Schießbudenschießen und Saustechen ein Programm gestalten konnte.
Dieses denkwürdige Stiftungsfest gab der Lebensfrohen Schützengesellschaft starken Auftrieb. Der Historie wegen soll der erste Chronist des Herxheimer Schützenvereins, der die damaligen müßigen Verhältniße und das Empfinden der Schützenbrüder festgehalten hat, zitiert werden:

>>Aber gerade in diesem beständigen Kampf mit der Besatzung wurden wir groß und stark. Endlich kam der Tag der Befreiung. Er war für die Herxheimer Schützenbrüder ein besonderer Freudentag. Gleich Jauchzern aus freudigen Herzen klangen unsere Salven in die Befreiungsnacht. Im Anschluß an die begeisternde Befreiungsrede des damaligen Bürgermeisters Franz Kuhn erhoben auch wir Schützenbrüder Aug' und Hand zum Himmel und gelobten aus treudeutschen Herzen, für Freiheit und Ehre der Heimat zu kämpfen bis zum letzen Atemzuge.<<


Freie Entfaltung - gedeihliche Festigung - Blüte

Noch vor dem Abzug der französischen Besatzer war im Garten des Gasthauses >>Zum Pfälzer Hof<< mit dem Bau eines 50-m-Kleinkaliberstandes begonnen worden. Kaum hatte der letzte Soldat der französischen Besatzungsmacht die Heimatgemeinde verlaßen, da trat die Herxheimer Schützengesellschaft auch gleich ins Rampenlicht der öffentlichkeit: Unter der Bezeichnung >>Befreiungßchießen<< hielt sie das erste Kleinkaliber-Preißchießen in der Pfalz ab. So wurde Herxheim zur Wiege des pfälzischen Kleinkalieberschießens. In Anerkennung der Pionierarbeit für das pfälzische Kleinkaliberschießen erwies Prinz Alfons von Bayern am 26. Juni 1931 mit einem Tagesbesuch der Schützengesellschaft Herxheim seine persönliche Reverenz.

Die Herxheimer Schützengesellschaft mit ihrem hohen Gast, Prinz Alfons von Bayern, der ihr 1931 einen Besuch abstattete.
Aus Anlaß des königlichen Besuches wurden zwei Ehrenscheiben geschoßen, auf die der Ehrengast und hohe Gönner jeweils den ersten Schuß abgab. Die Ehrenscheiben wurden von den Schützenbrüdern Hans Söllner und Jakob Strauß gewonnen.
In den folgenden Jahren erblühte die Schützengesellschaft Herxheim, der Schießsport gedieh prächtig. Die politische Gemeinde Herxheim hat >>mitten im herrlichsten Wald einen Schießstand errichtet, über den Reichßtatthalter Ritter von Epp (München) die Schirmherrschaft übernommen<< und der dem Waldstadion seinen Namen gegeben hat. Im Rahmen des 10-jährigen Stiftungsfestes wurde am 1.7.1934 die neue Schießanlage eingeweiht. Viele Pfälzer Schützenbrüder folgten dem Ruf und kamen an den Ort, wo die Wiege des pfälzischen Kleinkalieberschießens gestanden hat.
Die Schießabende im Schützenlokal >>Pfälzer Hof<< jeden Mittwoch waren sehr gut besucht. Ein paßionierter Schütze zu jener Zeit war der damalige Ortspfarrer Max Veitl. In jedem Jahr wurden ein großes Preißchießen und ein Weihnachtspreißchießen durchgeführt. Geselligkeit wurde gepflegt; der traditionelle Schützenmaskenball war sehr beliebt und weit über Herxheims Grenzen anerkannt.


Erlöschen der Vereinstätigkeit

Das Aufblühen des Vereins dauerte nur ein Jahrzehnt. äußere Umstände brachten eine schmerzliche Zäsur. Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939 kam das Vereinsleben zum Erliegen. Der Schießetrieb war nicht mehr aufrechtzuerhalten, da die jungen Schutzen zur Wehrmacht eingezogen wurden. In den Wirren des Krieges, in den Folgen der Besetzung und in der Auswirkung der bedingungslosen Kapitulation 1945 hatte der Verein sein Vermögen verloren. Die vereinseigenen Gewehre und sonstiges Vereinsgut kamen abhanden. Auch die traditionsreiche, schöne Schützenkette fiel dem Krieg zum Opfer. In der Katastrophe des totalen staatlichen Zusammenbruchs Deutschlands war auch der Schützenverein Herxheim untergegangen.


Neugründung - Wiederaufbau - Aufbruch

Auf Initiative der am 15. März 1952 im Gasthaus >>Zum Goldenen Ochsen<< versammelten Schützenbrüder Georg Seither, Otto Deutsch, Hugo Wagner, Ludwig Gilb, Ludwig Blesinger jr., Ludwig Frick, Otto Trauth, Eugen Rieder, Ferdinand Rieder (Ochsenwirt), Valentin Hetzler und Aloys Gilb wurde eine Gründungsversammlung einberufen, die am 26. März 1952 im >>Goldenen Ochsen<< die Schützengesellschaft Herxheim unter der neuen Namensbezeichnung >>Schützensportverein Herxheim<< wieder neu ins Leben gerufen haben. Die Initiatoren hatten ausdrücklich beschloßen, daß der Schützensportverein Herxheim nur schießsportlichen Zwecken dient.

Das ehemalige Gasthaus "Zum Goldenen Ochsen", das dort stand, wo heute die Raiffeisenbank steht, war 1952 der Geburtsort der Wiedergründung des Schützenvereins.
Die Gründungsversammlung bestimmte das Gasthaus >>Zum Goldenen Ochsen<< zum Schützenlokal und zum Schießort. Die erste Generalversammlung des Schützensportvereins Herxheim hat Ludwig Blesinger jr., der sich vor und nach dem Krieg um den Schießsport verdient gemacht hat, zum 1. Vorsitzenden gewählt. Nach deßen plötzlichen Tod hat der stellvertretende Vorsitzende Hugo Wagner die Leitung des Vereins übernommen. In der nächsten Generalversammlung wurde er zum 1. Vorsitzenden gewählt.
Im neuen Schießstand fand vom 5. bis 13. Juli 1952 ein Eröffnungs- und Preißchießen statt. Der Schützensportverein Herxheim knüpfte an die schießsportliche Tradition an und legte seine Schießabende auf jeden Mittwoch fest. Auch die Schützenmaskenbälle lebten wieder auf. Der Verein erfreute sich eines großen Zulaufs. Eine junge Schützengilde wuchs heran. 1954 war ein Gedenk- und Jubeljahr für den Herxheimer Schießsport: Seines Ursprungs vor 30 Jahren hat der Verein am 8. August 1954 mit einem Stiftungsfest, das mit einem Jubiläums-Preißchießen verbunden war, gedacht. Das Jubiläum hat in den Reihen der Herxheimer Schützenbrüder die Diskußion um das Kleinkaliberschießen wieder nachhaltig neu entfacht. Das Verlangen nach dem Kleinkaliberschießen hat in der besinnlichen Rückschau in die Parallele der Geschichte den Blick hoffnungsvoll in die Zukunft gestärkt. Der Tag wurde ersehnt, an dem wieder mit Kleinkaliber geschoßen werden kann. >>Bis dahin werden die Herxheimer treu, gemäß der Tradition des Herxheimer Schießsportes, Seite an Seite stehen, damit uns dieser edle Sport bewahrt bleibt.<< So hieß es in der Festschrift von 1954.
Die Generalversammlung nahm am 30. März 1955 eine neue Vereinßatzung an und hat den Namen des Vereins in >>Schützenverein Herxheim b. L.<< geändert. Am 12. April 1955 wurde der Schützenverein in das Vereinsregister beim Amtsgericht Landau eingetragen.


Eigenes Schützenhaus - eigene Schießanlagen

Ende der 50er Jahre eröffneten sich zukunftsorientierte Perspektiven. Dankbar haben die Schützen begrüßt, daß die Gemeinde Herxheim dem Verein die ehemalige, vor und im Krieg vom RAD und nach dem Krieg von der französischen Besatzungsmacht militärisch genutzte Schießanlage im Waldstadion zum Ausbau und zum Gebrauch einer Kleinkaliber-Schießanlage pachtweise überlaßen hat. Die verwahrloste Anlage bot einen trostlosen Anblick. Die Schützenbrüder ließen sich nicht entmutigen. Sie haben die erforderlichen Arbeiten uneigennützig in Angriff genommen. Dank großer Einsatzbereitschaft und guter Kameradschaft nahm die Schießanlage bald Gestalt an. Trotz der Mithilfe aller ließ sich die Fertigstellung der Kleinkaliber-Schießanlage in der vorgesehenen Zeit nicht verwirklichen. Grund der Verzögerung war außchließlich das Fehlen der notwendigen finanziellen Mittel. Doch auch diese Schwierigkeiten wurden überwunden. Nach jahrelanger, mühevoller Arbeit konnten die Herxheimer Schützen mit Freude und Stolz auf ihr Gemeinschaftswerk bei der Inbetriebnahme der wiedererrichteten Kleinkaliber-Schießanlage am 26. Juni 1960 schauen. Mit der übergabe war am 2./3. Juli 1960 ein Schützenfest verbunden. Der Schützenverein Herxheim ist in einen neuen Abschnitt seines Wirkens eingetreten. Eine ideale Kleinkaliber-Schießanlage mit elektrisch betriebenen, vollautomatischen Scheibentransportanlagen war entstanden. Bei der Einweihung standen Hoffnung und Wunsch der Herxheimer Schützenbruder Pate, daß die Anlage nie wieder zu kriegerischen Zwecken mißbraucht werde, sondern einzig und allein friedlichem Wettkampf zur sportlichen Ertüchtigung und Lebensfreude dienen möge.
1958 war ein Wechsel in der Vereinsführung erfolgt. Nachdem der bisherige Oberschützenmeister Hugo Wagner in der Generalversammlung am 25. April im Schützenheim im Gasthaus >>Zum Goldenen Ochsen<< sein Amt zur Verfügung gestellt hatte, war der bisherige Schriftführer Alois Knecht zum neuen Oberschützenmeister berufen worden. Unter seiner Führung wuchs das Selbstvertrauen und das Image des Vereins, entstand dank der Konsolidierung der Finanzen sowie der Schaffung und Dienstbarkeit eines eigenen Schützenhauses mit eigenen Schießanlagen ein neues Selbstbewußtsein des Vereins. In diesen Jahrzehnten hat der Verein den bisher größten Grad seiner Unabhängigkeit erlangt. Noch nie war der Verein wirtschaftlich so gesichert, noch nie war der Verein in seinen schießsportlichen Aktivitäten je erfolgreicher gewesen.
1962 wurde das gesamte Anwesen des Gasthauses >>Zum Goldenen Ochsen<< verkauft. Mit dem Ende des bekannten Gasthauses im Jahre 1963 durch Abriß verlor der Schützenverein Heim und Luftgewehr-Schießstand, die ihm seit Neugründung nach dem 2. Weltkrieg der Ochsenwirt, Schützenbruder Ferdinand Rieder, zur Verfügung gestellt hatte. Im >>Cafe Bullinger<< (Luitpoldstraße) fand der Verein eine neue Bleibe. Schützenbruder Theo Bullinger errichtete in seinem Anwesen auf seine Kosten einen Luftgewehrschießstand, den er dem Verein zur Verfügung stellte und der bis 1974 funktionell genutzt wurde. Mit Wirkung vom 1. Oktober wurde das Luftgewehrschießen endgültig ins Waldstadion verlegt. Damit hatte der Verein seinen gesamten Schießbetrieb im Waldstadion zentralisiert.

Nach mehr als fünfjähriger Bauzeit krönten die Herxheimer Schützen 1975 ihre bislang größte Anstrengung und Errungenschaft, das in beachtlicher Eigenleistung und mit erheblichen finanziellen Aufwendungen geschaffene Gemeinschaftswerk: Das Schützenhaus mit den modernen, 10-bahnigen Schießanlagen im Waldstadion. Es war seinerzeit eine bemerkenswerte Tat, die dank des uneigennützigen Engagements und des großen Kameradschaftsgeistes der Mitglieder entstehen konnte. Drei Schützenbrüder, die sich um die Anlage besonders verdient gemacht haben, sollten hier erwähnt werden: Hubert Sittinger, Reinhart Lippert und der 2. Vorsitzende Helmut Bode, der die automatischen Einrichtungen der Schießanlage installierte. Die neue Anlage brachte dem Vereinsleben neue, kräftige Impulse. lm März 1976 fand erstmals die Generalversammlung im neuen Schützenhaus statt. Der 1984 fertig gestellte Toilettenanbau hat die Gesamtanlage komplettiert.

Die neugestaltete Schießanlage wie sie auf der Festschrift zum 22. und 23. Juni 1991 abgebildet war.

Im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Stadioneinganges durch die Gemeinde Herxheim wurden 1988 auch Vorstellungen diskutiert, die alte, 100 m lange Schießanlage wieder instand zu setzen. Von diesen Plänen wurde wegen der hohen Kosten Abstand genommen. So kam es zu einer Kleinkaliber-Neuanlage mit 50 m Schießlänge. Der Standort des bisherigen KK-Schießstandes wurde in den Bereich des neu gestalteten Stadioneinganges miteinbezogen. Der alte Schießstand mußte also weichen. Der Verein baute 1989/90 ein neues Schießhausgebäude, wobei die KK-Schießanlage einbezogen und nach modernen Gesichtspunkten umgestaltet wurde. Die KK-Schießanlage mit sechs Schießbahnen befindet sich im Untergeschoß des Schießhauses, darüber liegt die Luftgewehr-Schießhalle mit zehn Schießbahnen.
Mit der Indienststellung des neuen Schießhauses hatte der Verein einen technischen Fortschritt erreicht, der ihm ein hohes Ansehen sicherte.



Das alte Schützenhaus vor dem Abriß 2002.

Aufschlagen des Gebälks der neuen Halle für Luftdruckwaffen 2002/2003.

Die Anlage des Schützenverein Herxheim seit 2007.


...an der Vervollständigung der Chronik wird noch gearbeitet...






























































Quellen:
Festschrift 1991 ("Blick in die Vereinschronik" - Hermann Rieder)
Programmheft zur "Einweihung der neuen Standanlage" 2007
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